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Antje Schiffers
Finn Wagner
Hannes Egger
Valeria Fahrenkrog
Ivo Weber
Matthias Schamp

„Als Stimulator der Wahrnehmung unserer selbst und der anderen ist die Kunst intellektueller Ideengeber und ein Motor für das Funktionieren und den Wandel unseres Seins. Damit gehört sie fundamental zur demokratischen Verfasstheit unserer Gesellschaft.“

Stefanie Kreuzer im Katalog zur Ausstellung Duett mit Künstler:in, Museum Morsbroich 2017

wanderspace lädt Künstler:innen ein, im ländlichen Südwestfalen zu arbeiten und sich über einen längeren Zeitraum mit der Region und ihren Besonderheiten zu befassen. Es entsteht jeweils eine künstlerische, bleibende oder temporär angelegte Arbeit vor Ort. Ein wesentliches Moment der wandergäste ist die Möglichkeit zur Partizipation und die Einbindung der Menschen vor Ort. Dies kann im Kunstwerk angelegt sein und/oder durch ein Rahmenprogramm initiiert werden.

Antje Schiffers " Ich bin gerne Bauer und möchte es auch gerne bleiben"

Das Projekt „Ich bin gerne Bauer und ich möchte es auch gerne bleiben“ der Künstlerin Antje Schiffers verbindet Malerei, Film und soziale Begegnung zu einer vielschichtigen künstlerischen Praxis. Im Mittelpunkt stehen landwirtschaftliche Betriebe und die Menschen, die dort arbeiten. Schiffers reist zu Höfen in unterschiedlichen Regionen und Ländern, verbringt Zeit mit den Bäuerinnen und Bauern und setzt sich intensiv mit ihren Arbeitsbedingungen, ihrem Wissen und ihrem Alltag auseinander.

Charakteristisch für ihre Arbeit ist der direkte Austausch: Antje Schiffers malt vor Ort ein Bild des jeweiligen Hofes oder der landwirtschaftlichen Umgebung. Im Gegenzug erklären sich die Bauern bereit, selbst einen kurzen Film über ihre Arbeit, ihre Sicht auf Landwirtschaft und ihre persönlichen Herausforderungen zu drehen. So entsteht ein Dialog auf Augenhöhe, in dem künstlerische und landwirtschaftliche Perspektiven gleichwertig nebeneinanderstehen.

Im Sommer 2026 wird Antje Schiffers dieses Projekt in Siegen fortsetzen und den Irlenhof in Kreuztal-Eichen porträtieren. Der Irlenhof zeichnet sich durch eine Form der Landwirtschaft aus, die eng mit der Topografie, der Geschichte und den sozialen Strukturen des Siegerlandes verbunden ist. Die Region ist geprägt von einer hügeligen Mittelgebirgslandschaft, vergleichsweise kleinen Parzellen, hohem Grünlandanteil und einer Landwirtschaft, die traditionell stärker auf Viehhaltung, Dauergrünland und familiäre Betriebsstrukturen ausgerichtet ist als viele der bislang porträtierten Höfe. Im Vergleich zu großflächigeren oder stärker industrialisierten Betrieben, die Antje Schiffers in anderen Regionen porträtiert hat, steht der Irlenhof exemplarisch für eine kleinstrukturierte, standortgebundene Landwirtschaft, die sich an begrenzte natürliche Bedingungen anpasst. Die klimatischen Herausforderungen, die Höhenlage sowie die kleinteilige Landschaft erfordern ein hohes Maß an Erfahrungswissen, Kontinuität und persönlichem Einsatz der dort arbeitenden Menschen.

Diese regionalen Gegebenheiten in Siegen eröffnen für Antje Schiffers neue künstlerische Fragestellungen. Ihre Arbeit reagiert sensibel auf den jeweiligen Ort und die individuellen Bedingungen des Hofes. Auch am Irlenhof wird sie ihre Malerei aus der direkten Beobachtung entwickeln und damit nicht nur die äußere Erscheinung des Hofes, sondern auch die spezifische Atmosphäre und die Beziehung der Menschen zu ihrer Umgebung sichtbar machen. Der entstehende Film der Landwirte ergänzt diese Perspektive um eine eigenständige Erzählung aus dem Inneren des Betriebs heraus.

Die lokale Besonderheit des Projekts in Siegen liegt in der exemplarischen Sichtbarmachung einer regionalen Landwirtschaftsform, die im öffentlichen Diskurs häufig wenig Beachtung findet. Das Siegerland steht weder für agrarindustrielle Großbetriebe noch für idealisierte Agrarlandschaften, sondern für eine alltägliche, oft unsichtbare Praxis des Wirtschaftens unter anspruchsvollen Bedingungen.

Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Irlenhof werden regionale Kenntnisse, Arbeitsweisen und Lebensrealitäten dokumentiert und in einen überregionalen Kontext gestellt. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Sichtbarkeit des ländlichen Raums in Südwestfalen und stärkt den Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst, regionaler Identität und gesellschaftlichen Fragen der zukünftigen Landwirtschaft.

Die Künstlerin war im Mai 2026 auf dem Irlenhof zu Besuch um den Hof zu portraitieren, zeitgleich haben die Bauern und Team ihren Hof gefilmt. Am 1. Juli 2026 wird der fertige Film auf dem Irlenhof präsentiert. Die Künstlerin nennt dieses Happening „Die lange Nacht des Bauernfilms“.

Information zur Künstlerin: Antje Schiffers (1967 in Heiligenstadt) ist eine deutsche Künstlerin, die in Berlin und im Wendland lebt und arbeitet. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule der Künste Berlin sowie an der Kunstakademie Düsseldorf. In ihrer Arbeit verbindet sie Malerei, Film und ortsbezogene, dialogische Formate. Ihre Werke wurden international in Ausstellungen, Museen und Biennalen gezeigt und sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Weitere Informationen unter Antje Schiffers und Ich bin gerne Bauer

Dazu ein Beitrag auf WDR 3 - Mosaik vom 9.5.26: Wanderspace - Kunstprojekt auf dem Bauernhof

Vormerken: "Die lange Nacht des Bauernfilms" am 1.Juli 2026, Irlenhof, Kreuztal-Eichen

Finn Wagner "Mythos Eisen"

Als Wandergast im Wintersemester 2025/26 forscht Finn Wagner am Material Eisen. Für die keltischen Kulturen besaß Eisen eine Bedeutung, die über seine praktische Nutzung hinausging: Es galt als „Blut der Erde“ mit Schutzkraft und spiritueller Verbindung zur Natur. Schmiede wurden als Träger von Geheimwissen verehrt. Mit der Aufklärung ab dem 17. Jahrhundert wandelte sich dieses Verständnis grundlegend. Natur wurde nun wissenschaftlich erforscht, Eisen verlor seine symbolische Aufl adung und wurde zum funktionalen Werkstoff der Industrialisierung. Eine zentrale Rolle spielten Kupferstiche als Medium wissenschaftlicher Darstellung, die unsichtbare Phänomene sichtbar machten und zur Verbreitung naturwissenschaftlichen Wissens beitrugen.

Finn Wagners künstlerische Praxis basiert auf der Erforschung materieller, natürlicher und sozialer Prozesse durch experimentelle, oft handwerklich geprägte Zugänge. Eigens entwickelte Werkzeuge und Techniken – wie das Gießen von Metall, das Schmelzen von Gestein mit Sonnenlicht oder das Formen von Leder – dienen der Analyse von Materialverhalten und der Ableitung metaphorischer Strukturen.

Im Mittelpunkt seiner künstlerischen Forschung steht der Dialog zwischen traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Technologie. Mithilfe immersiver Videoinstallationen und 3D-Animationen, die in analoge Verfahren überführt werden, verbindet er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu spekulativen Architekturen. Seine Arbeiten thematisieren die Beziehung zwischen Natur und Kultur sowie die Wechselwirkungen zwischen menschlichen Artefakten und ihren Landschaften.

Finn Wagner ist viele Wochen im Siegerland unterwegs gewesen und hat zum Ursprung der Eisengewinnung im Siegerland geforscht. Er hat zahlreiche Orte ausfindig gemacht und diese fotografiert und gefilmt. Das entstandene Material ist Teil seiner künstlerischen Arbeit „Mythos Eisen“. Eisen steht beispielhaft für einen grundlegenden Wandel im Verhältnis zwischen Mensch und Material: vom magischen Element zum funktionalen Rohstoff – und von der mythologischen Erzählung zur wissenschaftlichtechnischen Realität.

In Siegen lässt sich dieser Wandel exemplarisch nachvollziehen. Die Region ist seit der keltisch-römischen Zeit eng mit der Eisengewinnung verbunden und entwickelte sich im Mittelalter zu einem bedeutenden Montan- und Hüttenstandort. Während Eisen früher Teil eines rituellen Weltbezugs war, wurde es hier zur Triebkraft industriellen Fortschritts.

Mehr Infos über Finn Wagner

Finn Wagner gab außerdem Studierenden innerhalb eines Seminars im Wintersemester 2025/26 umfangreiche Einblicke in seine Forschung und besonderen Arbeitsweisen.

Alle Arbeiten sind nun in der Ausstellung im Showroom zu sehen:

Do. 19.02. - 18.03.2026

Finissage: Mi. 18.03.2026, 18 Uhr

Showroom wanderspace

Sandstr. 16-18, 57072 Siegen

Projektpräsentation:

Sa. 23.01.2026,

13 bis 15 Uhr

Ausgrabungsstätte Gerhardsseifen im Dreiborntal, Siegen

Buchpräsentation STADT+LAND am 25.06.2025 in der Spandauer Str. 40, Siegen ↑

Abendessen am 08.01.2025 im Junkermarkt, Kreuztal ↑

Abendessen am 23.10.2024 im Showroom, Sandstr. 22, Siegen ↓

Fotos: Hannes Egger, Stefanie Klingemann, Kai Gieseler, Lea Segieth, Charlotte Figulla

Hannes Egger "STADT+LAND"

Im Sommer 2024 ist der Künstler Hannes Egger mehrere Wochen im Siegerland unterwegs gewesen und hat mit der Siegener Bevölkerung auf dem Land und in der Stadt Kontakt aufgenommen. Ausgangspunkt ist hierbei ein Sammelsurium an Geschirr, welches der Künstler aus seiner Heimat in Südtirol mitgebracht hat. Teller und Tassen dienten als Objekte zum Tausch gegen „Siegerländer“ Geschirr. Der Künstler ist dabei mit zahlreichen Menschen ins Gespräch über das Leben in der Region gekommen und hat hierbei die Einladung zum gemeinsamen Abendessen ausgesprochen.

Mit „STADT+LAND“ entsteht ein partizipatives Happening, in dem der Künstler das Zubereiten von Speisen und das miteinander Essen als Anlass schafft, um den Austausch über folgende Fragen zu vertiefen: Wo beginnt Siegen und wo hört es auf? Was unterscheidet Stadt und Land? Woran kann Stadtrand erkannt werden und wozu dient er? Was ist das Verhältnis zwischen Stadt und Land im 21. Jahrhundert?

Für den wanderspace entwickelt Hannes Egger aus seiner minimalistischen Zeichensprache, die einfach anmutende Figuren in zahlreichen Zeichnungen darstellt und an Piktogramme, Comics oder Kinderzeichnungen erinnert, Bildergeschichten von dem Leben auf dem Land, am Rande der Stadt und dem städtischen System. 

Im Anschluss entstand eine Dokumentation des Projekts, mit einem Text des Kunsthistorikers Ludwig Seyfarth sowie einem Vorwort von Prof. Johanna Schwarz.

Die Publikation ist 2025 im Universi Verlag Siegen erschienen und kann dort oder in allen Buchhandlungen unter der ISBN: 978-3-96182-209-6 bestellt werden.

Hannes Egger (*1981, Meran, Italien) ist ein Konzeptkünstler. Er bewegt sich mit seinen Arbeiten in der Tradition der „sozialen Plastik“ nach Joseph Beuys, das künstlerische Objekt ist weniger im Fokus als die sozialen Prozesse, die Egger anregt. In Performances, Installationen und partizipativen Projekten lädt er Menschen dazu ein, unsere umgebende Realität und Lebensräume zu reflektieren. Sein Kunstbegriff bezieht sich nicht auf ein Werk im traditionellen Sinne, sondern besteht darin, Anlässe zu schaffen für einen Austausch. Egger gibt oft einige Koordinaten oder Anweisungen vor, und macht so die Ation des Teilnehmers zum Kunstwerk selbst.

hannesegger.com

Presseartikel vom ersten Abendessen am MITTWOCH 23.10.24 im neuen "Showroom" von wanderspace neben dem ehemaligen Laden von "feinbier Unterwegs", Sandstraße 22, Siegen:
https://www.uni-siegen.de/start/news/oeffentlichkeit/1049452.html
Fotos: Lea Segieth, Stefanie Klingemann, Valeria Fahrenkrog

Valeria Fahrenkrog "Material, Anordnungen, Siegen"

Im Sommersemester 2024 ist die Künstlerin Valeria Fahrenkrog (*1980, Asunción, Paraguay) zu Gast in Siegen. Über die Dauer von mehreren Wochen hat die chilenisch-deutsche Künstlerin ortsspezifische Untersuchungen im Stadtraum von Siegen gemacht.

Fahrenkrogs Ausgangspunkt ist das Arbeitsprinzip des „kleinstmöglichen Eingriffs“ (l'intervento minimo) nach dem Schweizer Soziologen Lucius Burckhardt. Die Theorie die Burckhardt mit dem Pariser Landschaftsarchitekten Bernard Lassus entwickelte, vollzog eine fundamentale Kritik am unverantwortlichen Umgang mit begrenz­ten Ressourcen. Es geht um die Frage, wie sich mit möglichst wenig Aufwand unsere Wahrnehmung verändern lässt. In zahlreichen Spaziergängen vom Stadtzentrum in die Peripherie bis aufs Land, hat die studierte Medienkünstlerin Texturen, Objekte und Formen sowie zufällige Materialanordnungen fotografisch dokumentiert und diese in Zeichnungen und grafische Bildflächen übersetzt. Diese entstandenen Bilder dienen als Ausgangsmaterial zur Intervention im öffentlichen Raum an drei unterschiedlichen Orten in Siegen.

Für den wanderspace startete die Künstlerin ihre Untersuchungen im Herzen der Stadt, im „feinbier Unterwegs“ - dem ehemaligen Outdoorgeschäft an der Sandstraße, der Leerstand dient aktuell als Experimentierfläche der Fakultät II. Ausgehend von den noch deutlich vorhandenen Nutzungsspuren, hat die Künstlerin von dem Innenhof aus, an der Fassade entlang alte Werbetafeln, Banner, Restholz von Einbauten genutzt, und diese als Träger für ihre Zeichnungen, Prints und Malereien umgewandelt. Valeria Fahrenkrog arbeitet mit gebrauchtem Material, und kombiniert dies mit visuellem Material - ihren Beobachtungen im Stadtraum - die sie in Form von Zeichnungen, Grafiken und Malereien auf Fundstücken anbringt.

Die Publikation zu Valeria Fahrenkrog finden sie unter Info > Publikationen.

Mehr zu Valeria Fahrenkrog: dreipalmen.com und mitkunstzentrale.de

Ivo Weber "7 Tage, 7 Hügel – Waldfegen"

Für Oktober 2023 haben wir den Künstler Ivo Weber mit der performativen Kunstaktion
"7 Tage - 7 Hügel. Waldfegen" eingeladen. Er entwickelte, ausgehend von seiner seit über achtzehn Jahren erfolgreichen Reihe Waldfegen, ein Konzept, welches speziell auf das Siegerland Bezug nimmt.

An sieben Tagen nahmen Siegener:innen aus verschieden Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – wie z.B. der Bürgermeister, Kulturschaffende, aber auch weitere Akteur:innen der Waldwirtschaft und interessierte Bürger:innen, Studieren- de, Schüler:innen oder Senior:innen – gemeinsam mit dem Künstler auf den sieben Hügeln der Stadt, vom Giersberg bis zum Siegberg, künstlerische Interventionen vor. Durch das Fegen trugen die Teilnehmenden Sorge für den Wald und das Erscheinungsbild ihrer Stadt. Die gemeinsame Erfahrung und der Austausch untereinander stärkten das Gefühl der Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit innerhalb der Stadtgesellschaft. Als künstlerische-symbolische Handlung, ist das Fegen eine Re-Inszenierung der historischen Kultivierung von Natur. Nach getaner Arbeit wurden die gefegten Areale fotografiert und der vorgefundene Zustand des Waldstücks wiederhergestellt.

Anschließend wurde die dokumentierte Aktion für einige Zeit auf Plakatwänden im Stadtraum präsentiert, um auch auf diese Weise weitere Begegnungen innerhalb der Stadtgesellschaft zu ermöglichen. Den Abschluss der Aktion bildete eine gemeinsame Wanderung vom Schlosspark aus zu den Räumen des Fach Kunst in der Spandauer Str. 40. Teilnehmer:innen des Waldfegens hielten dabei Banner mit Abbildungen der vorausgegangenen Kunstaktion im Wald, um diese auch in den Stadtraum zu tragen.

Die Publikation zu Ivo Weber finden sie unter Info > Publikationen.

Mehr zu Ivo Weber: https://www.ivoweber.de/

Alle Projekte mit Matthias Schamp finden Sie unter: Pilotprojekt Netphen

Die Publikation zu Matthias Schamp finden sie unter Info > Publikationen